Redebeitrag von Claudia Pabst-Dippel zum Thema Frühe Hilfen

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren, 

die so genannten Frühen Hilfen sind seit 2012 mit dem Kinderschutzgesetz gesetzlich verankert. Unser Landkreis bietet hier eine Koordinierungsstelle für die Vernetzung der Akteure aus dem Gesundheitswesen und etlichen Beratungsstellen an. 

Im Bereich der Familienhebammen läuft die Zusammenarbeit mit fünf Hebammen, die sich direkt vor Ort um die Familien in belastenden Lebenslagen kümmern. Ein beeindruckendes Tableau von Ärzten, Hebammen, Psychotherapeuten und Beratungsstellen für Konflikt- und Suchtprobleme, psychosoziale Probleme, Menschen in der Schuldenfalle u.v.m. unterstreicht die Bedeutung der Frühen Hilfen. 

Aber auch so simple Dinge wie die intensive Zuwendung zum Kind und besonders zum Säugling wird heute in Kampagnen angemahnt. Ich erinnere an die letztjährige Kampagne der Frühen Hilfen und Jugendämter zur Problematik der intensiven Handynutzung durch Eltern. Ein Baby braucht den direkten Augen- und Gesichtskontakt mit seinen Bezugspersonen, zu Beginn meist der Mutter! 

Weiterhin ist es traurig, dass man immer wieder in der Presse von steigenden Fallzahlen bei der Kinderarmut in Deutschland lesen muss. Psychische Erkrankungen nehmen zu, die höheren Fallzahlen schlagen sich auch in der Verbandsumlage für den LWV nieder. 

Insgesamt lässt sich ein Abbau des Sozialstaates beklagen und prekäre Einkommensverhältnisse nehmen zu. Von Bundesseite aus sind schon vor Jahren prekäre Einkommenssituation, niedriger Bildungsstand und Migration als Risikofaktoren benannt worden. In allen drei Bereichen scheint mir keine Entspannung in Sicht. 

Neben diesen ganzen negativen Realitäten, sollte man aber daran erinnern, dass JEDES KIND WILLKOMMEN ist! Kinder bedeuten schlicht Zukunft und sind eine Freude für die Eltern. 

In diesem Zusammenhang erfreut es, dass die Geburtenrate im Jahr 2016 zugenommen hat, wie das statistische Bundesamt bekannt gab. Hebammen, Familienhebammen, Frühe Hilfen aber auch Geburtsstationen sind also mindestens im Bestand zu sichern. 

Wie wichtig die Angebote der frühen Hilfe für Schwangere und junge Familien in belastenden Situationen ist, hat der Kreisausschuss durch seit 2015 stetig steigende Ansätze in den Haushaltsplänen verdeutlicht. Das freut uns sehr! 

Die Summe, um die es heute geht, sollte für uns alle gut investiert sein. Letztendlich kommt sie aus einem Ansatz, der durch die gescheiterte Fusion des Kreiskrankenhauses mit Vitos nun nicht mehr benötigt wird. Unser Haushaltsantrag wird sich also nicht auf das Ergebnis auswirken! 

Interdisziplinäre Beratung und fachübergreifende Arbeit kosten natürlich Geld! Aber wenn man den präventiven Gehalt im Kinderschutz sieht, dann ist klar, dass es sich um eine Investition in die Zukunft, in die Gesundheit und in die Gesellschaft handelt. Und diese Investition wird sozusagen Zinsen abwerfen, sie wird sich lohnen! 

Es ist jeder Mutter, jedem Vater bekannt und wird immer weiter durch Studien belegt, dass Schwangerschaft, Geburt und das erste Lebensjahr prägend für das gesamte weitere Leben eines Menschen sind. Konflikte sollten in dieser ersten Zeit vermieden werden, aber das kann sich manche Familie nicht aussuchen. 

Die pränatale Zeit und die ersten 12 Lebensmonate dienen dem Aufbau von sicherer Bindung zwischen Eltern und Kind! Die Persönlichkeitsentwicklung dauert erheblich länger, noch über die ersten drei Lebensjahre hinaus, die Ziel der Frühen Hilfen sind. 

Von der frühen Bindung hängt die Bindungsfähigkeit eines Menschen ab, mithin seine psychosoziale Entwicklung! Die Vielfalt der Angebotspalette Früher Hilfen aus unterschiedlichen, zu Beginn meiner Begründung schon in Teilen genannten Fachbereichen, zeigt die enorme Bedeutung für die Hilfe zur Entwicklung an Persönlichkeit und sozialer Kompetenz. Hier geht es um Prävention von späteren Problemen wie Sucht, Kriminalität, psychischen und psychosozialen Störungen. Es geht schlicht um die gesunde persönliche Entwicklung eines Menschen und seiner Möglichkeit, später ein glückliches und eingebundenes Leben zu leben. 

Die Eltern bekommen Hilfe zur Entwicklung von Erziehungs- und Beziehungskompetenz und schlicht Hilfe bei der Alltagsbewältigung. Darüber hinaus gibt es immer mehr Literatur darüber, dass diese erste bindungsabhängige Entwicklung des Menschen seine körperliche Gesundheit ganz wesentlich beeinflusst. Ein bindungsgestörtes Kind, ein zu frühes Erleben oder auch Miterleben von Konflikten führt zu Stressreaktionen bei Kind und Eltern. Und Stress bewirkt eine Reaktion des gesamten Hormonsystems des Organismus. Über diese Reaktionen geschieht eine körperliche Prägung, die sich sogar bis in die Besiedelung der Darmflora mit Bakterien hinein auswirkt. 

Folgen von Stress in frühesten Entwicklungsstadien werden in Verbindung mit vielen chronischen Krankheiten, wie z.B. Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen gebracht. Diese Erkrankungen haben den Status von Volkskrankheiten und sind aus volkswirtschaftlicher Sicht negativ zu betrachten. 

Im Jahr 2009 war die Stadt Korbach Familientagsstadt in Hessen. Es wird also viel getan im Landkreis und vielleicht bewirbt sich eine der anderen Städte im Kreis um die Ausrichtung des 10. Familientages in 2019. 

Kurzum, die Bedeutung des Themenbereichs der Frühen Hilfen ist enorm und deswegen begrüßen wir die tolle Vorlage der Verwaltung ausdrücklich und stellen den Antrag, das Budget für die Frühen Hilfen großzügig zu erhöhen, um die Angebote zu sichern und wo nötig die Qualität zu steigern. 

Die Summe, um die es in unserem Haushaltsantrag geht, scheint uns sehr gut investiert, wir bitten daher um Zustimmung zu unserem Antrag. 

Vielen Dank. 

Posted in Kreistagssitzung 11.12.2017.