Redebeitrag Hakola Dippel TOP3 und TOP4 – Biodiversität und Insektenleitfaden 02.11.2020

Sehr geehrte Frau Vorsitzende, Meine Damen und Herren

Wir werden dem Beschlussvorschlag des Kreisausschusses nachher zustimmen.

Ich fasse eine Aussage zu der großen Anfrage der GRÜNEN vom 11.Mai zum Thema Biodiversität und unsere Meinung zum Insektenleitfaden (27.2.) in einer Rede zusammen, weil sie inhaltlich sehr viel gemeinsam haben.

Meine Damen und Herren, die Große Anfrage der GRÜNEN ist zu einem Zeitpunkt gestellt worden, in dem die Arbeitsgruppen an dem vom Kreistag zu beschließenden Insektenleitfaden arbeiteten. Hätten sich die Kollegen von den GRÜNEN die Mühe gemacht, die in den Antworten genannten Broschüren, Bücher und andere Literatur selbst zu lesen, hätten sie viele Fragen sich selbst beantworten können und der Kreisverwaltung wäre Zeit erspart geblieben, die in einen noch besseren Insektenleitfaden eingeflossen wäre. Der Kreistag hatte im Februar den Beschluss gefasst, die Arbeitsgruppe zu bilden, die jetzt den Leitfaden vorgelegt hat. Man hätte also problemlos noch ein paar Wochen warten können, um dann nur noch die Fragen zu stellen, die hier unbeantwortet geblieben sind.

Meine Damen und Herren, zum Thema Biodiversität ist hier schon viel diskutiert und gefragt worden. Ich denke, wir sind uns einig, dass in der freien Feldflur in den Bereichen einer intensiv genutzten Agrarlandschaft – in der die Maisflächen über viele Hektare ohne irgendwelche blühenden Pflanzen bis nah an die asphaltierten Feldwege reichen – das Problem deutlich sichtbar ist. Aber – und das geht aus den Antworten ja deutlich hervor – dieses Problem ist schon länger bekannt und es wird mit verschiedenen Mitteln angegangen. Wir sind optimistisch, dass diese Probleme – ähnlich wie bei unseren Flüssen in den 1970er Jahren – mit Hilfe diverser Programme gelöst werden können und werden. Als Hindernis stellt sich dabei die Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen (und zunehmend vieler Waldflächen) als Industriegebiet für sogenannte erneuerbare Energien dar. Maisflächen für die Faulgasanlagen bringen einen höheren Ertrag als ein Acker zum Brotgetreideanbau. Und allein durch die Pacht eines einzigen Windrades im Wald kann man getrost jede Forstwirtschaft ruhen lassen! Man muss es dann nur mit seinem Gewissen vereinbaren, dass man diese hohen Erträge auf Kosten einer vielfältigen Insektenwelt und seiner Mitmenschen erzielt. Der arbeitslose Hartz 4 – Empfänger und die Rentnerin bezahlen diesen Leuten die Einnahmen!

Meine Damen und Herren, oft wird eine gewichtige Ursache für den Insektentod vergessen: Windräder. Offenbar spielen die gewaltigen Anlagen der Windindustrie bei der Vernichtung von Insekten eine wesentlich größere Rolle als bisher angenommen. Diese Industrieanlagen zerstören bereits weite Landschaften in Deutschland und dezimieren kräftig Insekten. Wissenschaftler versuchten, überschlägige Mengenberechnung anzustellen und kamen auf eine potentiell gefährdete Insektenmasse von 24.000 Tonnen. Sie bezifferten die Verluste an Insekten, die

durch die Rotoren fliegen, auf mindestens 1.200 Tonnen im Jahr. Das entspricht etwa fünf bis sechs Milliarden Insekten pro Tag während der warmen Saison.

Meine Damen und Herren, das Thema Biodiversität im Wald wird in der großen Anfrage ebenfalls thematisiert. Wie oben schon angesprochen wird dabei das Thema Windkraft wohlweißlich ausgeklammert. Und ein ganz wesentlicher Punkt wird überhaupt nicht gefragt – vermutlich, weil man bei den GRÜNEN die Zusammenhänge nicht versteht. Deutschlandweit – also nicht nur hier in Waldeck – Frankenberg! – gilt bei Fachleuten (Waldbesitzer, Forstleute, Wildbiologen,…) das wiederkäuende Schalenwild (landläufig: Rehe und Hirsche) als DER entscheidende Faktor zum Thema Artenvielfalt. Das ist in den vergangenen Jahrzehnten vielfach wissenschaftlich und in der Praxis nachgewiesen worden. In stark bejagten Wäldern gelingt es, empfindliche Baumarten wie Weißtanne und Eiche ohne zusätzlichen Schutz aufzuziehen. Wenn das gelingt, finden sich auf diesen Flächen auch viele krautige Pflanzen und Sträucher ein, die wiederum Nahrungs- und Wohnhabitat für Insekten und Vögel darstellen. Platt gesagt: Der Jäger im Wald kann durch richtige Jagd für eine hohe Biodiversität sorgen – oder eben für völlig ausgeräumte Wälder, in denen nur Fichten und Buchen wachsen.

Meine Damen und Herren, Sie können meinen Ausführungen entnehmen, dass die AfD – Fraktion die Große Anfrage für völlig überzogen hält und der Auffassung ist, dass sie zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt gestellt wurde.

Der von der Verwaltung – von hier aus einen herzlichen Dank an die involvierten Mitarbeiter! – erstellte Leitfaden Insektenschutz stellt unserer Ansicht ein brauchbares Kompendium dar, mit dem die betroffenen Stellen sehr gut arbeiten können. Aus den „Handlungsbereichen und Maßnahmen zum Schutz von Insekten“ der Bundesregierung wurden Schlussfolgerungen und Leitziele für unseren Landkreis entwickelt.

Vielen Dank

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