Redebeitrag Hakola Dippel TOP3 – Insektenschutz 28.10.2019

Sehr geehrte Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren,

beim Lesen des Antrages der GRÜNEN hatte ich ein Deja vu: Vor etwa zwei Jahren haben wir über einen fast gleichlautenden Antrag diskutiert. Nur dass es damals ausschließlich um Glyphosat ging.

Wir hörten in diesem Zusammenhang die Argumente der Verwaltung:

  • dass es schwierig sei, die Pachtverträge in der gegebenen Gemengelage zeitnah anzupassen.
  • Und dass es unsinnig ist, wenn auf einem großen Acker – der vielleicht aus mehreren Flurstücken besteht und an einen Nutzer verpachtet ist – dieses Verbot umzusetzen.

Daran ändert sich auch nichts, wenn man jetzt alle Pflanzenschutzmittel in den Verbotsantrag einfügt.

Meine Damen und Herren, uns ist dieser Antrag in der vorliegenden Form zu einseitig, in der Praxis nicht umsetzbar und daher abzulehnen!

Um das sogenannte Insektensterben in Gänze beurteilen zu können und evtl. Gegenmaßnahmen einzuleiten, sind alle Aspekte in Betracht zu ziehen. Es hilft nichts, den Schwarzen Peter einer Gruppe zuzuschieben.

Die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln ist bisher nicht als Hauptursache des Insektensterbens ermittelt worden. Dieses gilt nur für Bienen und möglicherweise auch nur bei Verwendung neuartiger Insektizide (Neonikotinoide).

Es scheint weiterhin so zu sein, dass das thematisierte Insektensterben auch in Wellen verläuft: Jahrelang gab es keine Insekten auf Windschutzscheiben, im vergangenen und diesem Jahr musste man ständig wieder reinigen.

Meine Damen und Herren, bei diesem wichtigen Thema sollten wir nicht – wie es die Kollegen von den GRÜNEN gerne immer wieder machen – fokussiert nur einen möglichen Verursacher betrachten, sondern mit gebotener Sachlichkeit einen 360° Blick anwenden:

Der Bestand an Insekten geht unter anderem auch durch den Betrieb von modernen, sprich hohen Windkraftanlagen auch im Wald zurück.

Neueren Ergebnissen zufolge werden deutschlandweit etwa 3.500 Tonnen Insekten durch die Rotoren erschlagen (wie an unseren Windschutzscheiben!), weil sie die schnelleren Luftströmungen in etwa 250 m Höhe nutzen und dort stehen dann die Rotoren.

Und für das rätselhafte Bienensterben gibt es die These, dass der Infraschall dieser Anlagen den Orientierungssinn der Bienen so stört, dass sie nicht mehr nach Hause finden.

Ebenso ist eine intensive Grünlandwirtschaft mit hoher Schnittfolge (ohne dass samentragende Pflanzen ausblühen können) dafür verantwortlich, dass in der freien Landschaft Insekten weniger Überlebensmöglichkeiten haben.

Der Mais- und Rapsanbau zur Energiegewinnung (in Faulgasanlagen und zur Ölgewinnung für die Beisetzung in „Biodiesel“) verschärfen diese Situation.

Und nicht zuletzt ist eine zunehmende Artenarmut in privaten Gärten feststellbar, die vielen Insekten-arten die Lebensräume entzieht.

Meine Damen und Herren, Sie erkennen, dass durch einen geweiteten Blick mehrere Ursachen erkennbar werden. Und es ist wie immer nicht eine Ursache verantwortlich für das ganze Problem.

Das heißt jetzt nicht, dass man angesichts der Vielfalt der Probleme einfach besser nichts tut!

Nein, man sollte mit der Lösung des   – oder besser gesagt: der Probleme – anfangen, das kurzfristig den größten Erfolg verspricht.

 

Und das, meine Damen und Herren, erreichen wir hier in Waldeck – Frankenberg am ehesten, wenn Sie unserem Antrag folgen.

Wir bitten daher um Zustimmung.

Vielen Dank

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